Agrarökologie beginnt bei den Bäuerinnen
In 16 Projekten der Alliance Sufosec mit wiederholter Messung sank die Ernährungsunsicherheit im Schnitt von 61 auf 41 Prozent.
«Wo kleinbäuerliche Haushalte über Jahre agrarökologisch wirtschaften, geht der Hunger zurück.»
Agrarökologie richtet die Landwirtschaft an den natürlichen Kreisläufen vor Ort aus: Vielfalt auf dem Feld statt einiger weniger Kulturen, gesunde Böden statt zugekaufter Betriebsmittel, bäuerliches Wissen und Zusammenarbeit statt Abhängigkeit von externen Zulieferbetrieben.
Schwerer Hunger halbiert
Schwere Ernährungsunsicherheit in den 16 Projekten mit wiederholter Messung
Sechs führende Schweizer Organisationen der Hungerbekämpfung messen seit 2021 jedes Jahr mit Instrumenten der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UNO (FAO), wie sich die Ernährung der Haushalte in ihren Projekten entwickelt. 2025 wurden 12’366 Haushalte in 16 Ländern befragt.
Am deutlichsten ist der Unterschied zwischen Haushalten, die vielfältig anbauen und sich in Gruppen organisieren, und solchen, die keines von beidem tun.
Die Daten stammen aus den Projekten selbst
Befragt wird in ausgewählten Projektregionen, dort, wo die Partnerorganisationen die Studie jährlich durchführen können: 2025 in 39 Projektregionen in 16 Ländern. Jeder Punkt auf der Karte ist ein Standort der Haushaltsstudie.
Für Details auf einen Punkt oder ein Land klicken. Die Karte lässt sich zoomen und verschieben.
Projektstandorte der Haushaltsstudie 2021–2025. Die Länder sind nach Kategorie eingefärbt: Land mit wiederholter Messung und weiteres Erhebungsland.
Wo ein Projekt wiederholt gemessen wurde, lässt sich seine Entwicklung über mehrere Jahre verfolgen, auch wenn die befragten Haushalte jedes Jahr neu ausgewählt werden. Insgesamt arbeiten die Organisationen mit rund 300 lokalen Partnern in 28 Ländern des Globalen Südens.
In 13 von 16 Projekten geht der Hunger zurück
In je einem Projekt im Tschad, in Mali und in der Côte d’Ivoire nahm die Ernährungsunsicherheit leicht zu.
Die Grafik vergleicht jedes der 16 Projekte mit seiner eigenen Ausgangslage.
Abbildung 1, Globaler Ernährungsbericht 2026. Veränderung der moderaten und schweren Ernährungsunsicherheit, von der ersten Messung bis 2025, in Prozentpunkten. Quelle: Haushaltsstudie der Alliance Sufosec.
Die Balken zeigen, um wie viele Prozentpunkte sich der Anteil der Haushalte mit moderater oder schwerer Ernährungsunsicherheit zwischen der ersten Messung und 2025 verändert hat. Werte unter null bedeuten einen Rückgang. Die Spanne reicht von minus 55 Prozentpunkten in Fabidji im Niger bis zu einer leichten Zunahme in drei Projekten. In Lindi und Mtwara in Tansania fiel der Anteil von 48 auf 16 Prozent, während der nationale Referenzwert der FAO im selben Zeitraum nahezu unverändert blieb. Die Haushaltsstudie ist eine jährlich wiederholte Erhebung, kein randomisierter Versuch: Sie zeigt Zusammenhänge, keine Ursachen.
2026 gehört den Bäuerinnen
Bilder aus den Projekten
Die UNO hat 2026 zum Internationalen Jahr der Bäuerin erklärt. Auch der Bericht stellt die Bäuerinnen in den Mittelpunkt.
Tanz und Gesang beim Treffen einer Frauengruppe in Mumias, Kenia, die Vivamos mit CJPD begleitet.
Foto: Ricus Jacometti
Anlieferung bei der Anolei-Kooperative in Isiolo: Die Kamelmilch wird gefiltert und gekühlt.
Foto: Christian Bobst
Stellamaris Mulaeh, Agrarökologie-Expertin und Leiterin von Act for Change, als Hauptrednerin am dritten nationalen Agrarökologie-Symposium in Kenia, Juli 2026.
Foto: PELUM Kenya
Stellamaris Mulaeh mit frisch geerntetem Kohl auf ihrem Hof; dahinter wachsen Bananen und Papaya.
Foto: Eyeris Communications
Kompost für ein neues Beet: drei Bäuerinnen in Madagaskar, wo Aqua Alimenta agrarökologischen Anbau begleitet.
Foto: Tony Vonison / Aqua Alimenta
Die Haushaltsstudie hat 2025 erstmals Daten zur Ernährung der Frauen erhoben. In Porträts kommen die Bäuerinnen selbst zu Wort. Vier der sechs Bilder stammen aus Kenia, dem Schwerpunktland des Berichts, die beiden anderen aus Madagaskar und der Côte d’Ivoire.
«Die Teilnahme an den Projekten hat mein Leben völlig verändert»
Vier Stimmen aus dem gedruckten Bericht
«Wir haben gelernt, natürliche Pflanzenschutzmittel und Bokashi-Kompost herzustellen, einen fermentierten Dünger aus organischem Material. Die Familien unserer Gemeinde haben mich ausgewählt, sie in den Schulungen zu vertreten. Was ich dort lerne, gebe ich anschliessend an sie weiter.»
Edelmira Vásquez, Kleinbäuerin und agrarökologische Beraterin, Honduras · Foto: Fabienne Jacomet
«Meine jüngste Tochter litt an Anämie, also an Blutarmut. Im Projekt lernte ich, dass Pflanzen wie Rosella-Hibiskus dagegen helfen. Seit ich einen eigenen Gemüsegarten habe, bleibt mir zudem mehr Geld übrig, weil ich fast nichts mehr auf dem Markt dazukaufen muss.»
Carolyne Wamalwa, Kleinbäuerin, Kenia · Foto: Giulia Balmer / Vivamos
«Gemüse haben wir früher zwar auch angebaut, aber erst seit ich einen Küchengarten angelegt habe, ernten wir immer mindestens fünf verschiedene Sorten: mehr, als wir brauchen. Den Überschuss verkaufen wir auf dem Markt. Die Teilnahme an den Projekten hat mein Leben völlig verändert.»
Sangita Baspane, Kleinbäuerin, Nepal · Foto: Jibiko
«Um halb sechs stehe ich auf und gehe in den Schulgarten. Eine Pflanze vom Samen bis zum erntereifen Gemüse zu begleiten, gibt mir ein echtes Gefühl von Verantwortung. Viele halten die Landwirtschaft für die Arbeit ungebildeter Menschen. Ich will trotzdem Bäuerin werden, auch wenn ich weiss, dass der Weg nicht einfach wird.»
Ally Majidu Makundi, Schülerin im Abschlussjahr, Tansania · Foto: Kiki & Miles Productions
Sechs Organisationen, eine gemeinsame Messung
Die Alliance Sufosec vereint sechs Schweizer Organisationen, die seit 2021 gemeinsam ihre Wirkung messen: Fastenaktion, SWISSAID, Vétérinaires Sans Frontières Suisse, Vivamos, Aqua Alimenta und Skat Foundation.
Der ganze Bericht in drei Sprachen
DOI: Deutsch 10.5281/zenodo.22092021 · Français 10.5281/zenodo.22092179 · English 10.5281/zenodo.22092181
Alle Zahlen
Eckdaten 2021 bis 2025, alle Abbildungen und Tabellen aus Kapitel 3, die Methode und die Grenzen der Studie.
Zitieren und weiterverwenden
Alliance Sufosec (2026): Agrarökologie beginnt bei den Bäuerinnen. Globaler Ernährungsbericht 2026. Bern. doi:10.5281/zenodo.22092021
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Christian Heuss · heuss@sufosec.ch